Schrattenfluh – Miriams Lieblingsberg
die bizarren Gesteinsformatioen der Schrattenfluh
Für den heutigen Herbsttag ist perfektes Wetter vorausgesagt. Ich habe mit Miriam und Patrick abgemacht. Unser Ziel liegt bei Sörenberg: die Schrattenfluh – Miriams Lieblingsberg. Ich bin gespannt, weshalb sie dieser Berg so fasziniert.
Wir treffen uns in der Nähe des Salwideli. Dort lasse ich mein Auto stehen und fahre mit Miriam und Patrick noch ein kleines Stück weiter bis zur Alpwirtschaft Schlund. Dort hat es einige wenige Parkplätze und wir haben Glück und finden einen freien. Von hier aus geht es zu Fuss weiter.
der Aufstieg liegt vor uns
Zuerst geht’s ca. eine Stunde bergauf bis zur Chlushütte. Am Brunnen füllen wir unsere Trinkflaschen mit frischem Bergquellwasser und geniessen den traumhaften Blick auf die Berge rundherum. Viele davon haben Schnee drauf, wie beispielsweise der Titlis, der ganzjährig schneebedeckt ist.
Das linke Bild zeigt den Blick von der Chlushütte abwärts, das Bild rechts aufwärts. Den Weg, den man rechts im Bild leicht erkennt, nehmen wir in Angriff.
fantastischer Ausblick
Oben angekommen, werden wir mit einer fantastischen Aussicht belohnt. Wir sehen die Brienzer-Rothorn-Kettte, den Titlis, den Fürstein, den ich Anfang Sommer mit Miriam und Patrick bewanderte, den Hohgant, Pilatus, Rigi und viele weitere Berge. Beim Aufstieg hatten wir ziemlich war bekommen, denn die Sonne strahlte. Oben wehte aber doch ein ziemlich starker Wind, sodass wir unsere Jacken anziehen mussten.
Links im Bild ist der Hohgant zu sehen, rechts ein Blick zurück auf den Höhenweg, den wir zurückgelegt haben.
Teil der Schrattenfluh
Die Schrattenfluh, die auf Schweizerdeutsch auch Schratteflue genannt wird, ist ein Gebirgsstock im Süden des Kantons Luzern. Die Bergkette der Schrattenfluh hebt sich vom voralpinen Hügelland des Emmentals und des Napfs ab. Die Bergkette ist etwa 6 Kilometer lang und verläuft wie viele andere Bergkämme in den Schweizer Voralpen in Nordost-Südwest-Richtung. Die Schrattenfluh weist vier markante Gipfel auf: Schibengütsch (2’037 m ü. M.), den Hengst, der mit 2’092 m ü. M. die höchste Erhebung ist und den wir später noch erklimmen werden, Hächlen sowie den Strick.
Herrlich!
An einem etwas windgeschützten Ort in einer kleinen Höhle auf der Krete legen wir unsere Mittagspause ein und verpflegen uns mit mitgebrachten Brötchen und Müesli. Von dort aus haben wir auch eine perfekte Aussicht auf die umliegende Bergwelt.
Hangabwärts sind die typischen Gesteinsformationen der Schrattenfluh zu sehen. Sie prägen das Gesicht der «Schratteflue» und entstanden durch jahrtausendlange Erosionsprozesse. Der langgezogene Kalkriegel wurde tief eingefurcht. Karst beschreibt eine Geländeart, welche überwiegend aus Kalkgestein besteht. Das Erscheinungsbild des Gesteins im Karst ist stark durch die Verwitterung vom leicht sauren Regen geprägt. Dieser sorgt dafür, dass sich der lösliche Kalkstein auswäscht, was zahlreiche Muster und Höhlen im Gestein hinterlässt. Die Schratteflue ist weltweit Typlokalität für den Schrattenkalk, eine Meeresablagerung aus der frühen Kreidezeit. Die Typlokalität bedeutet, dass an diesem Ort ein Gestein oder Mineral erstmalig wissenschaftlich beschrieben wurde. Im Schrattenkalk eingeschlossen sind zahlreiche Fossilien aus einem früheren Urmeer zu finden.
Die Nordwestflanke der Schrattenfluh ist steil, wobei sich Felsbänder und Bergweiden abwechseln. Nach Südosten fällt der Kamm relativ sanft ab. Hier befinden sich die ausgedehnten , meist vegetationslosen Karrenfelder des Schrattenkalks mit zahlreichen Höhlen. Die Schrattenfluh ist eines der grössten zusammenhängenden Karrenfelder der Schweiz. Höhlenforscher untersuchen sie systematisch. Die Karstlandschaft der Schrattenfluh ist ein Naturdenkmal von nationaler Bedeutung (Biosphärenreservat).
Die Schratteflue beeindruckt nicht nur oberirdisch mit bizarren Mustern im Karstgestein, sondern auch unterirdisch mit ihrem weit verzweigten Höhlensystem von über 50 Kilometern Länge. Durch die lückige Oberfläche versickert das Wasser direkt in die Tiefen und fliesst in einem riesigen und stark verästelten unterirdischen Wassernetzwerk ab. Praktisch alle Höhlen sind nicht öffentlich begehbar und nur schwierig zu erreichen. In zahlreichen Höhlen wurden interessante Relikte von Bären, Elchen und anderen Wirbeltieren gefunden. Bei diesen Höhlenuntersuchungen wurde 1969 auch ein kleines Insekt entdeckt, das es weltweit einmalig nur in der Schratteflue gibt (der nur 2mm grosse Pseudoskorpion Pseudoplothrus thiebaudi). Die Höhlen sind ausserdem eine wichtige Überwinterungsstätte für Fledermäuse.
Ausblick vom Hengst in Richtung zurück von dort, wo wir herkamen
Der Weg über den Kamm ist gut begehbar, Trittsicherheit ist dennoch von Vorteil. Der Aufstieg zum Hengst ist etwas anspruchsvoller als der Rest der Wanderung. Ich muss zwei, drei Mal meine Hände zu Hilfe nehmen. Der Ausblick vom Hengst aus ist dafür super schön.
Kurze Rast beim «Hengst»
Nachdem wir den Hengst passiert hatten, nahmen wir den Abstieg in Angriff. Dieser führte uns über bizarren Gesteinskreationen abwärts zu unserem Ausgangspunkt. Dabei musste man gut aufpassen, wo man die Füsse hinsetzt, damit man nicht in eines der Löcher trat. Die Löcher gefallen dafür den Pflanzen umso besser. Auf der Schratteflue wachsen einige hübsche Polsterpflanzen und Alpenrosen, welcher die Entlebucher auch «Steiröseli» sagen.
Nun weiss ich, weshalb Miriam so begeistert von der Schrattenfluh ist. Die Bergkette hat tatsächlich etwas ganz besonderes an sich. Die schroffen Gesteinsformationen, auf denen wir den Abstieg bewältigt haben, und der Ausblick von der Krete aus sind wirklich einzigartig Und dazu kam heute noch die perfekte Wanderbegleitung von Miriam und Patrick. Auch wenn heute nicht mein bester Wandertag war und mich mein Rücken mich beeinträchtigte.