Macunseen | Lais da Macun (Engadin, GR)

Einfach traumhaft.

Einfach traumhaft.

 
 

Was lange währt, wird endlich gut. Etwa so lässt sich die Wanderung zu den Macunseen beschreiben. Vier Mal mussten wir aus dem Engadin abreisen, ohne die die Macunseen gesehen zu haben. Doch heute spielte das Wetter mit und wir verbrachten einen wunderbaren Tag.

Anspruchsvoll sei sie, die Wanderung. Schwindelfrei und trittsicher müsse man sein. Und ausdauernd. Und eine gute Ausrüstung müsse man haben. Man könnte fast Angst bekommen, wenn man Wegbeschriebe für die Macunseen-Wanderung studiert.

 
Blick von oben auf Zernez

Blick von oben auf Zernez

Schon so lange spreche ich davon, dass ich endlich einmal die Macunseen bestaunen möchte. Vier Mal mussten wir aus dem Engadin abreisen, ohne die Seenplatte gesehen zu haben. Zwei Male hatte es noch Schnee, zwei Male hatte es schon Schnee. Doch für heute stimmten alle Verhältnisse und die Sonne schien bereits am Morgen früh, als wir um 8 Uhr das Hotel in Zernez verliessen.

 
steiler Aufstieg

steiler Aufstieg

Unser heutiges Ziel: Das Seenplatau Lais da Macun auf 2’700 Metern über Meer hoch über Lavin. Es bildet die einzige Exklave und den jüngsten Teil des Nationalparks. Das Gebiet gehört erst seit 2000 zum Nationalpark, der 1914 gegründet wurde. Das Plateau ist zu Fuss von Zernez oder Lavin aus innert fünf Stunden zu erreichen. Wir sparen uns etwas Zeit und nehmen für einen Teil das Macun-Alpentaxi. Dieses bringt uns innert ca. 20 Minuten holpriger Fahrt nach von Zernez nach Plan Sech auf 2’200 m. ü. M.

 

Zu Fuss geht es von dort aus weiter Richtung Munt Baselgia. Hier prägen Lawinenverbauungen das Landschaftsbild. Der Aufstieg zum Munt Baselgia auf 2’681 m ü. M. ist ziemlich steil. Der Weg führt uns über grosse Felsbrocken und teilweise müssen wir unsere Hände zu Hilfe nehmen. Nun wissen wir, was mit Trittsicherheit und Schwindelfreiheit gemeint waren.

 
traumhafte Bergkulisse

traumhafte Bergkulisse

Beim Aufstieg halten wir immer wieder inne, verschnaufen und geniessen das wunderbare Panorama und die Weitsicht Richtung Oberengadin und Ofenpass.

 

Nach rund 2 Stunden und 15 Minuten erreichen wir ein erstes Zwischenziel: den Gipfel des Munt Baselgia. Munt Baselgia (Deutsch: Kirchberg) ist ein ausgedehntes Gebiet mit mehreren Kuppen. Auf dem Bild ist eine davon zu sehen.

 
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Hier machen wir eine Pause und bewundern die traumhafte Bergkulisse und natürlich die Seenplatte mit den 23 Seen unterhalb. Umrahmt wird diese von der Pyramide des Piz Arpiglias, der Kette des Piz Macun und vom dunklen Piz Nuna. Im Osten erblicken wir den Ofenpass und das Ortlermassiv, im Süden die Berninagruppe und im Westen den Sarsura-Gletscher.

 
 
zum Geniessen

zum Geniessen

An unserem Wandertag hatte es nicht viele Leute, wobei für diese Tour waren es doch erstaunlich «viele». Eine dreiköpfige Familie, welche auch mit uns auf dem Alpentaxi war, begegnete uns immer wieder an diesem Tag. Gewisse Abschnitte bewältigten wir im gleichen Tempo.

 
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Hier ist einfach geniessen angesagt.

 
 
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Die wundebare Bergwelt spricht für sich, da brauchts keine weiteren Worte dazu. Traumhafter Blick auf die 23 kleineren und grösseren Seen.

Rundumsicht

Rundumsicht

 
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Der Abstieg über die Fuorcletta da Barcali zu den Seen war einigermassen knifflig. und erforderte wiederum Aufmerksamkeit und Trittsicherheit. Zuerst führte der Weg geradeaus über die Krete, bevor es dann links runter ging. Der Grund ziemlich trocken und das Sand-Kies-Gemisch sowie das Geröll waren relativ rutschig. Weiter unten galt es dann, zwei längere Schneeabschnitte zu bewältigen. Dafür hatten wir vorgesorgt und uns noch zwei Paar Wanderstöcke besorgt, die guten Dienst erwiesen. Für den Abstieg benötigten wir etwa 40 Minuten.

 
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Unten angekommen, mussten wir zuerst einmal in diejenige Richtung blicken, von der wir herkamen.

 

Das Seenplateau gehört zur politischen Gemeinde Lavin, die im Jahr 2015 nach Zernez eingemeindet wurde. Der für die Macunseen namengebende Piz Macun (2’889 m ü. M.) befindet sich etwa 500 m vom Parkgebiet entfernt. Macun bedeutet übrigens «Steinbock». Die Seenplatte bildet eine Exklave des Nationalparks. Durch das Val Laschadura ist sie vom restlichen Park abgetrennt. Die Seen erreicht man sowohl von Zernez aus, als auch von Lavin, wobei ersteres der übliche Weg ist.

Macunseen

Macunseen

Der grösste der Seen ist der Lai Grond («der Grösste»). Auf der linken Seite befindet sich der Lai Sura, der obere Bergsee. Etwas weiter unten der mittlere See Lai d’Immez mit einem Rastplatz. Weitere bekanntere der Seen sind der Lai da la Mezza Glüna und der Lai dal Dragun.

 
 
Blick auf den Gipfel, auf dem wir waren

Blick auf den Gipfel, auf dem wir waren

 
 

Im Gebiet lassen sich Steinböcke, Gämse und Alpenmurmeltiere beobachten. Schneehühner brüten zudem vor Ort. In den sieben grösseren Seen leben Fische, jedoch nur einzelne Arten. An unserem Wandertag konnten wir leider keine Tiere beobachten.

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Wir genossen die intensiven Farben der Flora dafür umso mehr. Der Pygmäen-Hahnenfuss hat hier seinen einzigen Standort in der Schweiz.

 
der unterste See

der unterste See

 

Nach einer kurzen Mittagspause, in der wir trotz tollem Proviant im Rucksack gar nichts essen mögen, nehmen wir den dreistündigen Abstieg unter die Füsse. Von der Macun-Seenplatte geht es steil hinab ins Val Zeznina zur Alp Zeznina Dadaint. Der Abstieg ist anspruchsvoll und teilweise sehr steil. Wir sind froh um unsere Wanderstöcke.

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Abstieg und Blick ins Tal bei Lavin

Auch die Wärme macht uns etwas zu schaffen. Das tolle, sonnige Wetter ist einerseits sehr schön, andererseits brennt die Sonne uns seit mehreren Stunden auf den mit einem Hut bedeckten Kopf. Entsprechend sind wir froh, als wir den Wald erreichen und etwas Schatten finden. Bei einer Abzweigung, bei der beide Richtungen mit «Lavin» angeschrieben sind, entscheiden wir uns für den schmaleren Weg und auch denjenigen, der unsere Wanderapp empfiehlt. Im Nachhinein war es wohl der falsch, denn wir hätten uns einiges an Weg und Zeit sparen können. Entsprechend sind wir happy, als wir kurz nach 16.00 Uhr den Bahnhof Lavin erreichen. Nach einer kurzen Pause im Beizli steigen wir in die Rhätische Bahn und fahren zurück nach Zernez. Mit vielen wunderbaren Erinnerungen und müden Beinen erreichen wir unser Hotel.

Auf der heutigen Tour legten wir auf 13 Kilometern etwa 800 Höhenmeter aufwärts und 1’550 abwärts zurück. Ohne Alpentaxi wären es etwa 1’450 Höhenmeter hinauf. Ohne Alpentaxi hat die Strecke eine Länge von ca. 21 Kilometern. Inklusive mehrerer kleiner Pausen benötigten wir sieben Stunden für die Tour. Würde man den Weg von Zernez aus zu Fuss in Angriff nehmen, verlängerte sich die Wanderzeit um ca. 2 Stunden. Die heutige Wanderung war mit Abstand die schönste, die ich je gemacht habe – und auch die längste. Am meisten freute mich, dass ich dieses wunderschöne Tour mit meinem Schatz erleben durfte.

 
 
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