Lago di Luzzano–Länta-Hütte–Zervreilahorn–Zervreila-Stausee

ein Zwischenziel vor Augen: der Passo die Soreda (2’760 m ü. M.)

 
 

Auf dieses Wochenende hatte ich mich schon lange gefreut. Es sollte ein richtig intensives Wanderwochenende mit drei Freunden (Méli, Pädi, Oli) werden. Der Start war im Kanton Tessin, das Ziel in Graubünden.

Am Freitagabend Ende August reisten wir mit dem Zug nach Olivone ins Tessin. Es war schon nach 20 Uhr und bei unserer Ankunft begann es gleich stark zu regen. Wir traten in den Gasthof ein und waren froh, dazu sein. Dann kam ein kurzer Schreckmoment: «Wir sind voll belegt», meinte der Wirt. Wir sagten, das könne nicht sein und zeigten ihm die Reservation. Schliesslich stellte sich heraus, dass er unser Zimmer einer falschen Vierergruppe gab, die im Nachbars-Hotel gebucht hatte. Spontan machte er uns eine Ferienwohnung bezugsbereit, sodass wir doch noch eine gute Unterkunft erhielten.

 
 

Lago di Luzzano

Am frühen Samstagmorgen holte uns das Ruftaxi, das uns von Olivone bis an den Anfang des Lago di Luzzano fuhr. Diese Strecke ist nicht schön zum Laufen sondern Asphaltstrasse, wo Autos fahren. Wir bezahlten unser Taxi und machten und auf den Weg entlang des wunderschönen Luzzonesees.

 
 

Immer aufwärts geht’s

 
 

Der Lago di Luzzano ist ein Stausee auf 1’606 m ü. M in den Adula-Alpen. Er liegt am oberen Ende des Bleniotals. Die Bogenstaumauer wurde 1963 fertiggestellt und 1997/1998 um 17 Meter erhöht. An der Mauer wurde im Jahr 1999 die mit 165 Metern und über 650 Klettergriffen und Haken längste künstliche Kletterroute der Welt angebracht.

 
 

Vom Lago di Luzzano führte uns unser Weg stetig nach oben und vorbei an der wunderbaren Bergwelt. Das Ziel unserer ersten Etappe ist die Länta-Hütte. DAs ist eine SAC-Hütte, die im Kanton Graubünden auf 2’090 m ü. M. liegt. Sie liegt im Länta, dem obersten Talabschnitt des Valsertals südwestlich des Zervreilahorns. Bis dorthin sind es ca. 5.5 Stunden Fussmarsch und 1’350 Höhenmeter Aufstieg.

 
 

Blick zurück auf den Lago di Luzzano

 
 

Der Weg war bis dahin stetig aufwärts, war aber sehr angenehm und gut begehbar. Wenn wir anhielten und uns drehten hatten wir einen fantastischen Ausblick ins Tal bis hin zum Stausee. Nach einiger Zeit wandern erreichten wir eine kleine Zwischen-Anhöhe. Hier legten wir eine kurze Pause ein und tranken Wasser aus unseren eher schweren Rucksäcken.

 
 

Hochebene weit unterhalb des Passo die Soreda

Auf dieser Anhöhe war die Wiese bedeutend weniger grün sondern eher braun. Man merkte, dass es nun steiniger und alpiner wird. Weit, weit oben in den Felsen würde unser Ziel liegen: der Passo di Soreda auf 2’760 m ü. M. Bis dahin dauerte es aber noch eine ganze Weile.

 

Mit jedem Schritt wurden die Wolken dichter. Die Wetterprognose war denn auch etwas unsicher für den heutigen Tag. Doch wir waren gut ausgerüstet mit Wanderschuhen und Regenschutz. Dennoch wäre es ungünstig gewesen, wenn es zu regnen begonnen hätte, denn dann wären die Schiefersteine schnell sehr rutschig geworden. Als wir den Pass erreichten, legten wir oben eine kurze Pause ein und verpflegten uns. Da es ganz leicht zu regnen begann, entschieden wir uns, weiter zu gehen.

 
 

Blick vom Soredapass hinunter

Der Passo di Soreda ist der niedrigste Übergang aus dem Tal von Vals ins Tessin und umgekehrt. Früher wurde der Weg als Saumweg genutzt, über den man auch Vieh aus dem Bleniotal zur Sömmerung auf die Alp führte. Von hier aus geniesst man bei weniger Nebel eine spektakuläre Aussicht auf die Berge des Adulamassivs sowie in das Val Scaradra. Ebenso sieht man unterhalb drei kleine Bergseen. Auch unser Weg führte uns auf der weiteren Strecke in Richtung Länta-Hütte daran vorbei.

 
 

Auf unserem Abstieg hatten wir einen tollen Ausblick auf das Zervreilahorn im Hintergrund. Das Zervreilahorn liegt südwestlich der Bündner Gemeinde Vals am Ende des gleichnamigen Valsertals. Das Zervreilahorn ist 2’898 m hoch. Da der Berg vom Zervreila-Stausee aus eine auffällige Pyramidenform aufweist, wird er manchmal als das Bündner Matterhorn bezeichnet. Von unserer Seite her sehen wir aber, dass das Zervreilahorn eigentlich ein langgezogener, zerrissener und gezackter Grat mit zwei Hauptspitzen ist. Der Berg ist auf der Etikette des Valserwassers zu sehen.

 
 

fantastische Bergwelt

 
 

Hin uns wieder legten wir eine Trinkpause ein und genossen die herrliche Bergwelt. Als wir eine Weile an diese massive Felswand blickten, entdeckten wir mehrere Kletterer in den Felsen, die angeseilt den Berg hochkraxelten.

 
 

der Valser Rhein

Von diesem Punkt aus hatten wir eine wunderbare Aussicht ins Tal und auf den Valser Rhein, der hier oben beginnt. Von hier aus würde es noch ca. 1.5 Stunden bis zur Länta-Hütte dauern. Vor uns stand nochmals ein steiler Abstieg. Der Valser Rhein ist ein rund 30 Kilometer langer rechter Nebenfluss des Glenners, dem grössten Nebenfluss des Rheins. Der Valser Rhein entspricngt dem Länta- und dem Grauhorngletscher am Fusse des Rheinwaldhorns. Er durchfliesst zunächst das Läntatal, bevor er im Zervreilasee gestaut wird.

 

Auch unser Weg führt uns nun durch das Läntatal in entgegengesetzter Richtung zum geschlängelten Fluss. Stetig ganz leicht nach oben marschierten wir. Dabei hatten wir eine eindrückliche Sicht auf den Grauhorngletscher.

 

Das Grauhorn ist zweifellos der alpinste, steilste und wildeste Gipfel der Adula Alpen. Aber leider geht auch er Jahr für Jahr stark zurück. Die letzten 45 Minuten zur Läntahütte legten wir zügig zurück, obwohl wir doch schon einige Höhen- und Tiefenmeter in den Beinen hatten.

 
 

stetig leicht nach oben bis zur Länta-Hütte

 
 

In der Alphütte erwartete uns neben einem lustigen Spielnachmittag ein wirklich hervorragendes vegetarisches Abendessen mit Suppe zur Vorspeise, Hauptgang und Kuchen. Ebenso hatten wir Besuch von einem Fuchs, der es sich vor der Hütte bequem machte und darauf wartete, dass man ihm eine kleine Köstlichkeit vorwarf.

 
 
 
 

Als wir am Morgen zeitig los liefen, lag im Länta, dem obersten Talabschnitt des Valsertals noch Nebel. Der hinterste Abschnitt des Valser Rheins, die Länta, gilt als eines der schönsten Gletschertäler der Alpen.

 
 

Für den zweiten Tag hatten wir uns den Weg vorbei an der Länta-Hütte und vorbei am Zervreilahorn bis zum Zervreila-Stausee vorgenommen, was ca. 4.5 Stunden und 850 Meter Aufstieg bedeutete.

 
 

Traumhafte Aussicht auf den Zervreila-Stausee

 

Von oben hatten wir den perfekten Ausblick auf unser Ziel: den Zervreila-Stausee. Von hier aus war es aber noch einiges an Fussmarsch. Doch bei dieser wunderbaren Bergwelt ist jeder Schritt ein Genuss.

 

Der Zervreila liegt auf dem Gemeindegebiet der Bündner Gemeinde Vals. Der Name stammt vom Dorf Zervreila, das unterging, als der See 1957 aufgestaut wurde. Der See liegt eingebettet zwischen dem Frunthorn, dem Fanellhorn und dem Zervreilahorn. Die Staumauer des Sees wurd in den 1960er Jahren gebaut und ist 151 m hoch. Je nach Wasserstand misst die Länge des Sees rund vier Kilometer.

 

Bergwelt

Von oben her absteigend erreichten wir dann das hintere Ufer des Sees. Am rechten Ufer entlang liefen wir bis zur Staumauer und von da noch etwas weiter bis zur Bushaltestelle. Von dort ging es mit dem öffentlichen Verkehr weiter ins Unterland. Ich durfte zwei wunderbare Tage in den Bergen beim Wandern verbringen, hatte mit Méli und ihrem Bruder beste Begleitung und übernachtete in einer tollen Hütte.

 

Zervreila-Stausee

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Laax – Alp Mora Trin